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Über 40 Jahre Todtnauer Zundelmacher


Hand in Hand mit der Bürstenindustrie ging in Todtnau die Zunder oder Feuerschwammherstellung in den Zeiten, da man von Streichhölzern noch nichts wußte. Damals benützte man zum Feuermachen einen in Öl getränkten Leinenlappen, der in einer Blechbüchse lag über die Büchse hielt man einen Feuerstein, aus dem man mit einem Stahl Funken schlug. An Stelle des Leinenlappens trat dann der Zunder. Man verwendete den Zunder auch als blutstillendes Mittel. Infolge seiner Weichheit und Leichtheit eignete er sich auch zur Herstellung von Mützen, die auf dem Lande vielfach getragen wurden. Aus einem Zunder besonderer Größe wurde einmal sogar ein Talar für den Bischof von Freiburg gefertigt. Der Zunder stammt vom Löcherpilz (Polyporus fomentarius) oder vom Weidenschwamm (Polyporus ignarius), die an Buchen, Eichen, Linden, Weiden, Eschen und anderen Bäumen schmarotzen und früher im Schwarzwald und in der Eifel häufig gefunden wurden. Als diese Gegenden nicht mehr ergiebig waren, ließ man diesen Rohstoff aus Ungarn, Siebenbürgen und Südslawien in Ballen von je vier Zentnern kommen. Der Schwamm ergab faustgroße Stücke, auch ganz beträchtliche Platten. In den Jahren 1811 bis 1814 gab es in Todtnau 4 bis 6 "Zundelmacher", fabrikmäßig wurde dieser Erwerbszweig aber erst später betrieben. Von den drei badischen Zunderfabriken waren zwei in Todtnau. Die eine begründete Franz Josef Faller im Jahr 1827, die andere Konrad Kirner im Jahr 1834. Sie machten lebhafte Geschäfte und gaben vielen Einwohnern angemessenen Verdienst. Mit einer großen Ängstlichkeit behüteten sie das Geheimnis der Zubereitung. Die trockene, harte, feste Masse wurde durch langes Kochen in einer Lauge schön geschmeidig gemacht und in Salzsäure gekocht. Die zur Blutstillung bestimmten Stücke wurden nicht getränkt. Nach Wunsch und Geschmack wurde der Zunder dunkler gefärbt. Ein so bearbeitetes Stück wurde dann durch Klopfen oft ums Zehnfache vergrößert, erhielt dadurch ein schwammiges Aussehen, wurde an der Sonne oder am Ofen getrocknet und hernach von Hand geknetet und dann gezogen. Je nach Bedarf wurden die Stücke in dünne Streifen geschnitten oder zu Mützen oder Hüten ohne Naht verarbeitet.

Der Wert des Stückes richtete sich nach der Größe, Schwammigkeit, Weichheit und Form. Die Kirnersche Zunderfabrik wurde von den Söhnen Konrad, Sebastian und Michael Kirner geführt, die Fallersche bestand bis zum Tode Franz Josef Fallers. Eine der Todtnauer Zunderfabriken fertigte noch im Jahre 1871 750 Zentner Zunder. Dann setzte die Zündholzherstellung den Zunder auf die Aussterbeliste. Um 1895 gab es in Todtnau keine Zunderfabriken mehr".

Die Narrenclique der "Todtnauer Zundelmacher" wurde dann zum 100 jährigen bestehen der Todtnauer Narrenzunft gegründet.

NARRI

              NARRO

aus dem TODTNAUER HEIMATBUCH - AUSGABE 1959



Die Todtnauer Zunderkappe

 

 

Dem Gründungsmitglied der Todtnauer Zundelmacher Herrn Rudolf Leberer ist es zu verdanken, dass nach über einem halben Jahrhundert eine in Todtnau angefertigte Zundermützewieder an ihren Herstellungsort zurückkam. Es war Conrad Kirner, der letzte männliche Nachkomme der Zunder-Fabrikantenfamilie Kirner, von dem Rudolf Leberer den entscheidenden Tipp bekam der schließlich zum Erwerb dieses historischen Stückes führte.

Auch etwas aus der wechselvollen Geschichte der Mütze ist noch bekannt. Der Bahnangestellte Karl Selig kaufte die Mütze im Jahre 1892 beim Todtnauer Schneidermeister Otto Fieger. Selig trug sie regelmäßig bei seinem Dienst im Bahnpostwagen der Zell- Todtnauer Eisenbahn. Da in seiner Familie kein Interesse an der Mütze bestand, schenkte er sie im Jahre 1960 mit freundlichen Grüßen an die neugegründeten Todtnauer Zundelmacher.

 Benno Dörflinger, 2011